Färben mit Pflanzen

Wenn man sich mit dem Thema Bekleidung im Mittelalter beschäftigt, kommt man irgendwann an dem Punkt, an dem nicht mehr nur die Stoffe, Nähtechniken oder Schnittmuster, sondern auch die Färbung der Kleidung eine wichtige Rolle spielt.

Das Färben mit Pflanzen bietet uns eine weitere Möglichkeit, die Herstellungsprozesse und damit den Alltag im Mittelalter besser nachvollziehen zu können.

Der Färbeprozess selber ist ein spannender und faszinierender Vorgang, bei dem ein naturfarbener Stoff sich zum Beispiel in ein warmes Braun, leuchtendes Gelb oder frisches Grün verwandelt.

Die verschiedenen Färbepflanzen bieten eine große Vielfalt an unterschiedlichen Farben und Farbabstufungen, die jeden Farbzug zu einem eigenen Erlebnis machen.

An dieser Stelle wollen wir einen Überblick über die von uns gefärbten Stoffe bieten und diesen Überblick zum Teil mit Berichten über den Vorgang des Färbens ergänzen.


Färbung mit Walnuss (Erfahrungsbericht)

Gefärbt werden sollte ein dünner Wollstoff, um daraus ein Kleid zu nähen.

Bild: die Walnussschalen Mengenverhältnis:
2000 g getrocknete,
kleingeschnittene Walnußschalen
für 1300 g Wollstoff

Bild: der Stoffbeutel Zuerst habe ich den Farbsud angesetzt. Dazu habe ich einen großen Beutel aus dünnen, feinmaschigen Stoff genäht, also so eine Art überdimensionalen Teebeutel.

(Bild angesetzter Farbsud vor dem Kochen) Dahinein habe ich die Walnußschalenstückchen getan, um hinterher nicht die Schalen mit der Hand abseihen zu müssen, da ich keine Kontaktfärbung wollte. Anschließend habe ich den Topf mit Wasser aufgefüllt.  

(Bild Farbsud nach dem Kochen) Den Topf mit Inhalt habe ich dann zum Kochen gebracht und das Ganze etwa 1 Stunde köcheln lassen.

(Bild Schalen abtropfen) Nach einer Stunde den Beutel mit den Schalen herausnehmnen, gut abtropfen lassen und die Farbbrühe wieder in den Topf gegeben. 

Vor dem Zugeben der Wolle habe ich den Farbsud etwas abkühlen lassen. Beschleunigt habe ich das, in dem ich der Farbbrühe mehrere Liter kaltes Wasser zugefügt habe, damit der Stoff hinterher genug Flüssigkeit hat, in der er schwimmen kann.

Anschließend kam der Stoff in den Farbsud und das Ganze wurde wieder erhitzt und hat für etwa drei Stunden vor sich hin geköchelt.

(Bild gefärbter Stoff) Nach dieser Zeit habe ich den Stoff aus dem Farbsud genommen, abtropfen lassen und zum Trocknen aufgehängt.

(Bild Vergleiche vorher nacher) Da der Stoff hinterher etwas unregelmäßig eingefärbt war, habe ich ihn in der Waschmaschine (kalt!) gründlich ausgewaschen und hatte hinterher einen sehr schönen, ziemlich gleichmäßigen Farbton.
Auf dem Bild siehr man sehr schön das Färbeergebnis (Stoff vorher und nachher)

Färbung mit Gallapfel (Erfahrungsbericht)

Gefärbt werden sollte ein relativ großes Stück Wollstoff mit Gallapfelpulver, als Farbton sollte hellgrau dabei herauskommen.

Vorbereitend wurden die ganzen Galläpfel zerkleinert und zu Pulver zerrieben. Dieses Pulver wurde mit Weinsteinrahm und etwas Wasser zu einem Brei vermischt und sollte laut Rezept dann ca. 1 Stunde ziehen.

Nachdem der Gallapfelbrei vorbereitet war, wurde der Ofen für den Kessel angeheizt und anschließend das Wasser in den Kessel gefüllt.

In das Wasser wurde der Gallapfelbrei gegeben und das Ganze gut durchgerührt. Dann kam der Stoff dazu und es hieß erst mal warten bis das Wasser kocht.

Der Farbsud mit dem Stoff darin sollte etwa eine Stunde kochen und im Anschluss daran wurde der Farbbrühe noch aufgelöstes Eisensulfat zugegeben – woraufhin sich der Farbsud schlagartig dunkel färbte.

Nach einer weiteren halbe Stunde Kochzeit und fleißigem Rühren konnte der Stoff aus den Farbsud herausgenommen und ausgespült werden.

Das Ergebnis ist ein gleichmäßiger, satter Grauton, der zwar nicht ganz dem erwarteten hellgrau entspricht, aber dennoch eine schöne Farbe ist.

Färbung mit Birke (1. Zug)

Gefärbt wurde ein dicker Wollstoff mit einem Farbsud aus getrockneten Birkenblättern. Der Stoff wurde vor dem Färben mit Alaun gebeizt.

Färbung mit Birke (2. Zug)

Für die 2. Färbung wurde der von der ersten Färbung vorhandene Farbsud weiterverwendet, allerdings wurde dem Farbbad gelöstes Kupfersulfat zugegeben. Auch hier wurde der Stoff  vor dem Färben mit Alaun gebeizt.

Färbung mit Krapp



Gefärbt wurde ein Stück Seidenstoff
Für die Färbung wurde Krapppulver im Wasser gelöst
Auch hier wurde der Stoff  vor dem Färben mit Alaun gebeizt.

Färbung mit Reseda

Gefärbt wurde ein großes Stück eines dünnen Wollköpers
Vor dem Färben wurde der Stoff mit Alaun gebeizt, als Farbstoff wurde Resedapulver verwendet.

Literaturempfehlungen zum Thema

"Farben aus der Natur" von Gretel Feddersen-Fieler
"Naturfarben auf Wolle und Seide" von Dorothea Fischer
"Mit Pflanzen färben" von Ursula Kircher